
Mit dem Rad die Balance wiederfinden
Was tun, wenn man aus gesundheitlichen Gründen plötzlich nicht mehr Rad fahren kann? Britta Faltynski hat ein E-Bike gefunden, mit dem sie trotz ihrer Einschränkung mobil ist. Und genießt es.

Am grünen Stadtrand von Hünxe im Ruhrgebiet kurvt eine Frau mit einem Rad wie einem Easy-Rider-Motorrad die sattgrünen Felder entlang. „Schon als Kind bin ich viel auf dem Fahrrad gesessen und war richtig flott unterwegs“, erzählt Britta Faltynski mit einem Lächeln.
„Später auch auf dem Sportrad mit vielen Gängen“, schiebt die heute 60-Jährige mit leichtem Stolz nach. „Das gehörte einfach dazu.“ Aber was macht man, wenn es plötzlich nicht mehr geht? Dieser Frage musste sich die Geschäftsfrau aus Hünxe vor etwa zehn Jahren stellen. Beim Treppensteigen gab plötzlich das rechte Knie der kräftigen Frau nach. „Da war alles kaputt – Meniskus, Knorpel, Sehne – alles.“ Operieren war für den Arzt keine Option.
Also heilen lassen. Es dauerte sehr lange, bis sie einige Schritte ohne Rollator gehen konnte. Doch beim Rehasport entdeckte sie den Heimtrainer für sich. Diese Bewegung unterstützte den Heilungsprozess und stärkte die Knie-Muskulatur. Aber an richtiges Radfahren war nicht zu denken: Das Aufsteigen war selbst beim normalen City-Rad eine kaum überwindbare Hürde. Trotzdem startete sie immer wieder den Versuch. Schließlich gab ihr ein Händler den Tipp, es mal mit einem Rad von vanRaam in Varsseveld zu versuchen.
Unabhängigkeit
„Ich musste das Radfahren erst wieder richtig lernen“, erzählt Britta Faltynski. Beim ersten Besuch bei vanRaam klappte das Aufsteigen auf das „Balance“ dank ultra-tiefem Einstieg und niedrigem Sattel sofort. „Aber ich bin sowas von Schlangenlinie gefahren, das ging gar nicht!“ Heute lacht sie herzlich, wenn sie daran denkt. „Das lag natürlich an mir und war mir richtig peinlich!“ Sie übte die Bewegung auf dem Hometrainer und war eine Woche später wieder in Varsseveld. Mit der mentalen Unterstützung der Mitarbeiterin von vanRaam klappte es. „Die hat mich in enge S-Kurven geschickt, den Berg hoch und runter und getriezt, bis ich alles wieder konnte“, erinnert sie sich lächelnd.
Über einen Gronauer Händler bestellte Britta Faltynski schließlich ihr individuelles Balance E-Bike mit etwas Zubehör – unter anderem einem Rückspiegel, „weil das viel einfacher ist als der Schulterblick.
„Radfahren bedeutet für mich nicht nur Unabhängigkeit.
Es bedeutet Freiheit.“

Seit anderthalb Jahren ist Britta Faltynski deshalb wieder mit dem Rad aktiv. Und schätzt es sehr! Besorgungen in der Innenstadt machen, ein Café- oder Friedhofsbesuch – alles mit dem Balance E-Bike. Die Natur mit dem Rad zu erleben, ist aber für sie das Allerwichtigste. „Für mich ist Fahrradfahren nicht bloß Unabhängigkeit, es ist Freiheit“, erklärt sie ernst. „Es bedeutet, in der Natur zu sein, sie zu erleben, Gerüche wahrzunehmen. Und ich genieße das.“ Sie erzählt von dem Storch, dem sie kürzlich so nahegekommen ist. „Das war unglaublich!“ Kaum war ihr neues Rad da, zeigte ihr eine Bekannte die schönsten Wege im Umkreis.
Dort ist sie jetzt am Wochenende oft unterwegs, fährt zum Beispiel rund um den Tenderingssee oder auch mal durch den Wald die Testerberge hoch. „Da habe ich zum ersten Mal die volle Motorunterstützung auf die höchste Stufe gestellt“, erzählt sie. Das Besondere am Rad ist aber das einfache Aufsteigen durch den extrem niedrigen Rahmen und dass sie wegen des tiefen Sattels im Sitzen mit beiden Beinen auf den Boden kommt. „Ich trete, anders als beim normalen E-Bike, nach vorn. Das ist für meine Knie angenehm“, sagt sie, „und fühlt sich effizient an. Das Rad fällt auf, alle finden das interessant, negative Kommentare gab es bisher nicht.“
Und das Gefühl, so dahinzugleiten? „Ist wie im Rolls-Royce! Aber im Ernst: Für mich ist die Lebensqualität, die ich damit bekomme, gar nicht mit Geld zu bezahlen.“ ■